zauberdachs??

Wie alles begann…

Zauberdachs. Natürlich werdet ihr euch fragen, wie ich auf so einen bescheuerten Namen komme. Ich muss gestehen, dass er mir mittlerweile ganz gut gefällt. Mit der Zeit habe ich so etwas wie eine identifizierende Beziehung zu ihm aufgebaut (oder akzeptiert). Auch der Dachs schlechthin (nicht zwingend das Getier) löst bei mir eine Art euphorisches Kribbeln aus, das sich schlecht definieren lässt. Angefangen hat alles in meiner zweiten und bislang erlebnisreichsten Wohngemeinschaft in Ludwigsburg. Dort lernte ich Christian, mein damaliger Zellennachbar dem ich zuvor nur sporadisch auf dem Campus begegnete, besser kennen. Christian war auch Mitverursacher, oder besser Mitbegründer, einer neuen Semantik des Begriffes „Dachs“ und letzten Endes einer ganzen, ja, nennen wir es humoristischen Bewegung. Auch wenn sich diese Bewegung in einer durchdringenden Intensität nur bei uns beiden manifestierte und kaum über die wohngemeinschaftlichen Grenzen sprang, möchte ich doch sagen, das dieses Phänomen (und das ist es!) ein gewisses Eigenleben entwickelte und Spuren (zumindest) in unserem Sprachgebrauch und in Verhaltensweisen hinterlies.

Christian meinte einst, dass, wenn er schon mit einem Tier verglichen werden müsse, dies nur über seine Leiche mit einem Dachs geschehen dürfe! Wir suchten damals für alle Mitbewohner geeignete Vertreter der Tierwelt und ich hatte mit dem Fuchs, als mein animalischer Propagandist, keine Probleme. Jedenfalls versuchten wir herauszufinden, bzw. Christian versuchte Worte zu finden, die seine Abneigung gegenüber dem schwarzweißen Waldbewohner begründen könnten. Nun ja, es war ja keine prinzipielle Abneigung gegen den Dachs an sich, eher eine Abneigung gegenüber willkürlich entstehenden Assoziationen mit dem Begriff „Dachs“. Ich werde versuchen, dies in einem kleinen fiktiven, und doch realitätsnahen, Dialog zu schildern…

Daniel: Man was hast Du denn gegen den Dachs?

Christian: Oh man gib’s Dir mal! DER DACHS! Da geht doch gar nix mehr!

D: Hm… Was geht? Was soll den mit dem sein?

C: Ja wie der schon aussieht… ein Dachs halt!

D: Aha, so wie ein Horscht oda so?

C: Viel abartiger!

D: Wer könnte denn ein Dachs sein?

C: Hm… der Kromer man!

D: Krass man, der isch echt ein Dachs! Ein Enddachs!

C: Schon man, der dachst doch voll ab! Gib ihn Dir doch mal!

D: Oah, da geht echt nix mehr!

C: Der ULTRADACHS!

Und prompt fand eine Ergänzung des mentalen Verbarchivs statt. Ab nun sollte das „Abdachsen“ vielen Übergeneralisierungen standhalten und in diversen Situationen beliebig zugeschnitten werden. Anfangs sehr negativ behaftet, entfaltete sich die „Dachserei“ in ihren vielen Facetten und definierte sich vom wesensgestörten Vermieter (der kromersche Ansatz) über hirnverbruzelte Schlagerdachse bis hin zu tranceähnlichen Tanzanfällen, dessen Höhepunkte sich durch ein auf-dem-Boden-herumkriechen-und-abgehen auszeichneten. Es ist nicht leicht diese höchste Form der Dachserei auf der Ebene tranceähnlicher Tanzanfälle zu erreichen. (Man sollte sich den potentiellen Nebenwirkungen vorab bewusst sein und sich diesem exzessiven Zustand nur in einer vertrauten Umgebung und bei seelisch-psychischer Stabilität nähern) Nun, ich für meinen Teil versuchte stets das „Abdachsen“ auch mit positiven Aspekten zu verbinden. Als mich eine Bekannte fragte, was es denn mit dem Abdachsen auf sich habe, versuchte ich es wie folgt zu erklären:

Na ja, man kann natürlich zu einem Vollhorscht auch Dachs sagen, aber diese Kategorisierung wäre mir zu einfach. Weißt Du, die positive Seite des Abdachsens ist für mich viel interessanter! Beispielsweise sind Kinder die Könige des Abdachsens, weil sie, vorausgesetzt sie wachsen unter mehr oder weniger freien Bedingungen auf, noch eine Art Zentralismus leben können, der mit dem Erwachsenwerden verfliegt. Damit meine ich, dass sie ihre Umwelt abschalten und das leben, was sie im Hier und Jetzt unmittelbar erregt. Sie leben die Tage, als wäre jeder ihr letzter. Und in diesen Tagen dachsen sie ab, was das Zeug hält! Wenn also zwei Kinder durch den Park rasen, wie Bekloppte schreien, sich gegenseitig mit Schlamm einsuhlen und gegen Bäume knallen, dann sind das Dachse im positiven Sinne. Studenten sind ja so etwas wie postpubertäre Möchtegerndachse: An ihnen lässt sich das Absterben der Dachsfähigkeit sehr gut verdeutlichen, weil sie sich in einer Art Zwischenstadium befinden und nicht so recht wissen, wo sie eigentlich stehen. Abgesehen von bewusstseinserweiternden Zielen hat der Drogenkonsum meiner Meinung nach deshalb auch folgende Absicht: Das Erreichen eines kindlichen Zustandes in welchem das Abdachsen praktiziert werden kann.

Na ja, so ungefähr kann man sich die positive Seite des Abdachsens vorstellen. Selbstverständlich muss ich noch erläutern, wie der Begriff Zauberdachs geboren wurde. Das war eigentlich relativ simpel; Christian würde das so formulieren:

Hey man, der Typ stand in einer zu kurzen plastikroten Jogginghose und einem T-Shirt, das ein Mammut abbildete, barfuss in seinem Zimmer, jonglierte mit rosafunkelnden Keulen und hörte dazu russisch-elektronische Dachsmusik! Jetzt reicht’s! Ein ZAUBERDACHS!!!!

In dieser Zeit begannen wir regelmäßig abzudachsen, sprich durch das Haus zu rasen, wie die Bekloppten zu schreien (beliebte Disziplin: Satirisches (!) Imitieren eines rechtsradikalen Schwaben, der Zigeuner abstechen möchte), uns gegenseitig mit Helge-Schneider-artigen Sounds einzusuhlen und durch den Flur zu kriechen. Stellenweise machten wir uns Sorgen um unsere seelische Verfassung und in wie weit diese „kranke Scheiße“ (so nannten wir die Dachserei im Endstadium) evtl. Spuren in unseren unbefleckten Wesen hinterlassen könnte. Und wenn ja, welche!?

Soviel vorerst mal zur Entstehungsgeschichte des Zauberdachses. Kein Plan, was diese Homepage hier für einen Zweck hat. Primär ist es erst einmal eine Spielerei meinerseits, was daraus wird, weiß der Geier. (oder der Dachs!)

 

 

 

PS:

Den eigentlichen Höhepunkt dieser ganzen Zauberdachsgeschichte habe ich glatt vergessen! Den ultimativen Knaller brachte Christian an meinem letzten Geburtstag. Er behauptet zwar, dass er mit der Geschenkwahl nur bedingt etwas zu tun hätte. Als Mitbegründer dieser Bewegung kann er sich allerdings nicht aus der Verantwortung ziehen! Nachdem ich das Geschenk aus seiner Verpackung geschält hatte, bezeichnete ich es (unter Schock) als die bizarrste Ausgeburt des Teufels. Es war eine Daniel-Küblböck-DVD mit dem fatalen Titel: Daniel der Zauberer. Eine Art Spielfilm über das familiäre und neonfarbene Leben des ultimativen Enddachses, in welchem es zwei Vollidioten leider nicht schaffen, den Zauberer zu killen. Aus einem im Film auftauchenden Drohbrief an Daniel habe ich Ausschnitte vertont und diesem Werk den güldenen Titel „Kopf ab, Küblböck“ gegeben. [Diese Wortabfolge entnahm ich dem Brief] Aus rechtlichen Gründen kann dieser Track leider (noch) nicht veröffentlichet werden.

 

4 Kommentare »

  1. harrykienzler Sagte:

    Krass, ich werde das Wort „Dachs“ nie mehr in seiner ursprünglichen unschuldigen Bedeutung verwenden können, nachdem ich das hier gelesen habe…

  2. Holger Sagte:

    Schon mal an Eintrag in Wikipedia gedacht?

    Diese wundervolle homage an das Seins des Dachses und Ausweitung auf die Kunst der Zauberei hat es verdient an ein noch größeres Publikum herangetragen zu werden.

    Ich bin überwätligt und fassungslos.

  3. tschowie Sagte:

    Die Dachserei nimmt ungeahnte Ausmaße an! Ist mit Vorsicht zu genießen – extrem ansteckend!

    MfG der Dax-Fan

  4. Christian Sagte:

    mhmhmh


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