Ich kaufe gerne Bio-Produkte. Warum kaufe ich eigentlich so gerne Bio-Produkte, wenn mir im Grunde doch das Geld fehlt. Nun, eigentlich fehlt mir das Geld hierfür ja nicht, obwohl ich nicht arbeiten gehe und mehr oder minder auf meiner faulen Haut liege, Bafög-Beiträge beziehe und schon auch mal ins Kino gehe. (plus mittlere, oder große Tüte Popcorn, plus Bier, plus das Bier danach etc.) Manchmal geht mir diese ganze Bio-Euphorie aber auf die Eier und ich stelle mir vor, wie ich wahllos… nein, eben nicht wahllos, sondern zielstrebig den letzten Müll in mein Einkaufs-Projektil pferche, nur um diesem Trend zu entgehen. Diesem Trend, zwanghaft biologisch Wertvolles zu konsumieren. Diesem Zwang, Bio-Honig zu kaufen, weil Bio-Bienen glücklichere Bienen sind und nicht wie ihre Brüder und Schwestern der Massentierhaltung in unmenschlich engen Honigwabenzellen dahinsiechen und Honig lagern, bis sie an Erschöpfung erbärmlich zu Grunde gehen. Dann ist es mir egal, wie es den Bienen geht und ich keuche mit rot leuchtenden Augen und Luciferblick durch die endlosen Einkaufstäler der Supermärkte, sodass die jungen Mütter mit ihren kindergefüllten, bunten Dreiradbuggy’s und ihren Einkaufswägen voller Bio-Produkte links und rechts vor mir schreiend in die Seitengänge fliehen und die angeketteten Gummischnuller nur so hinterherklappern. Ich verzichte eiskalt auf die spanischen Bio-Tomaten und packe ungezähmt die neonroten holländischen Genklumpen in meinen Müllwagen. Ich zerschmettere einen Alnatura-Schoko-Nuss-Aufstrich triumphal brüllend und sabbernd auf dem Boden und kippe mir anschließend zwei Paletten Nutella in meinen Wagen. In der Hygieneabteilung bewaffne ich mich mit einem preisgünstigem Plastik-Wischmopp und mähe mit diesem in Sekundenschnelle eine lächerliche Horde von Bio-Bierflaschen aus einer Regal-Etage, die durch die Kraft meiner Wut in Millionen Einzelteile zerbersten und mir leichte Schnittwunden zufügen, die mich allerdings nicht schwächen, sondern das Feuer meines Zorns noch weiter schüren und mich inbrünstig und mannhaft aufkreischen lassen: „FLEEEIIIIIISCH!!!“ Blutend, sabbernd und keuchend humple ich, durch den Wischmopp gestüzt, meinem neuen Ziel, dem Kühlregal, entgegen. Mit letzter Kraft werfe ich mich in das Becken abgepackten Fleisches, werfe alle glücklichen toten Tiere heraus und wühle mich somit in den Abgrund. Zu immer älterem und gammligerem Fleisch und wühle und wühle, bis ich vollkommen in diesem Meer aus glänzenden, folienüberzogenen Fleischpaketen verschwunden bin. Einfach so.
harrykienzler Sagte:
on September 13, 2007 at 4:58
Der Text aber schon sehr konkret in seinen Phantasien…Muss ich mir Sorgen machen?
Christian Sagte:
on September 29, 2007 at 6:34
–> „Pädagogikstudent läuft Amok im Tübinger Kaufland – In der Fleischtheke untergetaucht“
mhm. mmmmmhhmm. mmmm.